Deutsch-jüdische literarische Kultur in Berlin 1933-1945


Berlin, Potsdamer Platz, 1930 (Bundesarchiv/WikimediaCommons, Lizenz: CC-BY-SA)

Am 13. November 2012 um 19:30 Uhr findet der nächste Vortrag der Goethe-Gesellschaft statt:
Prof. Dr. Kerstin Schoor, Berlin/Frankfurt (Oder): Deutsch-jüdische literarische Kultur in Berlin 1933-1945
Berlin, das kulturelle und literarische Zentrum der Weimarer Republik und schließlich die Machtzentrale des nationalsozialistischen Staates, wurde nach 1933 zum wichtigsten Zen­trum „jüdischer“ Kultur in Deutschland. Allein im Berliner Raum lebten zwischen 1933 und 1945 noch etwa 1.000 Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle, die im weitesten Sinne am literarischen Leben deutscher Juden beteiligt waren. Namen wie Gertrud Kolmar oder Franz Hessel, Ernst Blass, Ludwig Meidner oder Leo Hirsch, Mascha Kaléko, Kurt Pinthus, Arthur Eloesser, Karl Escher, Meta Samson, Hilde Marx, Arno Nadel, Herbert Friedenthal (Freeden) oder Max Samter stehen exemplarisch für viele, die nicht, oder zunächst nicht aus Deutschland auswandern konnten oder mochten.

Kerstin Schoor thematisiert in ihrem Vortrag, in welcher Weise die kollektive Erfahrung einer gescheiterten Emanzipation und der zunehmenden äußeren Bedrohung in literarischen Texten dieser Jahre manifest wird. Die Literaturwissenschaftlerin geht der Frage nach, wieweit die damaligen kulturpolitischen und künstlerisch-ästhetischen Bemühungen von Schriftstellern und Intellektuellen jüdischer Herkunft als Ausdruck geistigen Widerstands in einer Zeit forcierter Gleichschaltung des deutschen Kulturlebens unter dem Nationalsozialismus beschreibbar sind, – eines Widerstands, der in Einzelfällen auch hinauszugehen schien über den Willen zur Selbstbehauptung (im Sinne einer inneren Stärkung angesichts zunehmender äußerer Repressionen und schließlich lebensbedrohender Vernichtung), und der sich ebenso manifestierte in einer Weigerung, mit der im Rahmen nationalsozialistischer Kulturpolitik aufgezwungenen Isolierung die Bindung an die europäische und Weltkultur aufzugeben und damit jahrhundertealte geistige humanistische Traditionen zu verleugnen.

Der Vortrag beginnt um 19:30 Uhr in der Landesbibliothek am Pferdemarkt. Für Mitglieder ist der Eintritt frei, Gäste bezahlen 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

Prof. Dr. Kerstin Schoor ist Inhaberin der Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jü­di­sche Li­te­ra­tur- und Kul­tur­ge­schich­te, Exil und Mi­gra­tion an der Eu­ro­pa-Uni­ver­si­tät Via­dri­na Frank­furt (Oder). In zahlreichen Veröffentlichungen hat sie sich mit deutsch-jüdischer Kultur beschäftigt.