Scham und Ehre hinten, weit in der Türkei. Goethes „Klaggesang von der edeln Frauen des Asan Aga“



Die nächste Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Oldenburg findet am Dienstag, den 12. März, um 19:30 Uhr in der Landesbibliothek Oldenburg statt. Prof. Dr. Norbert Mecklenburg (Köln) spricht dann über: 
Scham und Ehre hinten, weit in der Türkei. Goethes „Klaggesang von der edeln Frauen des Asan Aga“
Der „Klaggesang“ ist, nach dem Entwurf eines Dramas über Mohammed, Goethes zweites ‚orientalisches‘ poetisches Projekt. Der junge Autor hat hier die Übersetzung eines epischen ‚Frauenliedes‘ aus dem Balkan so kunstvoll bearbeitet, dass es durch weitere Übersetzungen in viele Sprachen zu Weltliteratur geworden ist. Bislang als ‚serbische Nationaldichtung‘ verkannt, ist es erst in letzter Zeit als das gewürdigt worden, was es in Wahrheit ist: „une chanson musulmane“ (Adam Mickiewicz). Zugleich aber ist es nach Entstehung, Gehalt und Wirkung eine ausgesprochen inter- und transkulturelle Dichtung.
Norbert Mecklenburg ist seit vielen Jahren Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität zu Köln, seit einigen pensioniert. Er wurde 1943 in Ostpreußen geboren, wuchs in Kiel auf, studierte dort sowie in Tübingen und Köln Germanistik, evangelische Theologie, Philosophie und Pädagogik. Seine wissenschaftlichen Bücher beziehen sich u. a. auf Literaturkritik, modernen Roman und Regionalismus, die Autoren Uwe Johnson, Theodor Fontane, Annette von Droste-Hülshoff sowie auf interkulturelle Aspekte der Literatur. Ein Buch über Goethes inter- und transkulturelle poetische Werke ist in Vorbereitung. Eigene ‚orientalische‘ Erfahrungen hat Norbert Mecklenburg besonders seit seinen Gastprofessuren in der Türkei sammeln können. Er ist mit der Istanbuler Literaturwissenschaftlerin und Autorin Zehra Ipşiroğlu verheiratet. Das Thema Islam bildet seitdem immer wieder eine Herausforderung, ebenso Goethes vielfältige literarische Zugriffe auf Islamisches, vor allem, aber nicht nur in seinem Gedichtzyklus „West-östlicher Divan“.