Lebensgeschichte und Identität



Der nächste Vortrag der Goethe-Gesellschaft findet am 16. April um 19:30 Uhr in der Landesbibliothek Oldenburg statt. Prof. Dr. Klaus Prange (Oldenburg) spricht über
Lebensgeschichte und Identität. Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ als Roman einer Selbstfindung
Mit dem „Wilhelm Meister“ hat Goethe nach allgemeiner Auffassung das maßgebende Beispiel für den so genannten Bildungsroman geschaffen. Er zeigt, was ein junger Mann aus sich zu machen sucht, aber dann etwas wird, was er am Anfang zwar nicht wollte, das aber am Ende das ist, was ihm gemäß ist und was er gleichsam als seine Identität akzeptiert. Am Ende des Romans kommt er sich vor „wie Saul, der auszog, seines Vaters Eselinnen zu suchen, und ein Königreich fand“. Die Kunst Goethes und wohl auch seine bleibende Botschaft bestehen darin, dass er an dieser Geschichte demonstriert, dass sich ein Selbst, eine Identität, weder einer unveränderlichen Natur noch allein seinen Absichten und Zielen verdankt. Wer wir sind, bildet sich auf dem Weg, zu der sich eine Lebensgeschichte verdichtet. Wir machen uns nicht und werden auch nicht gemacht, sondern wir finden uns in der Kombination von „Notwendigkeit und Zufall“, von Talent, eigener Wahl und glücklichen oder widrigen Umständen.