Thomas Boyken über das dramatische Ableben von Schillers Bühnenfiguren


Warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze?“ lautet der Titel des nächsten Vortrags der Oldenburger Goethe-Gesellschaft, der am Dienstag, 18.06., um 19:30 Uhr in der Landesbibliothek am Pferdemarkt beginng. Der Oldenburger Germanist Thomas Boyken wird dabei über das "dramatische Ableben von Schillers Bühnenfiguren" sprechen.
Bevor Franz von Moor in die Gefangenschaft der wütenden Räuber geht, bringt er sich um. Doch zögert Franz. Er scheint nicht fähig zu sein, sich selbst mit dem Degen zu erstechen: „Warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze?“ Anstatt sich zu erdolchen, wählt Franz die eher ungewöhnliche (und wohl wenig ‚realistische‘) Variante der Selbsterdrosselung. Mit einer Hutschnur schnürt er sich selbst die Luft ab. Gerade diese ungewöhnliche Selbsttötungsart wirft eine Reihe von Fragen auf: Warum wählt Franz die Hutschnur anstelle des Degens? Welche Funktion hat das Abwägen über die Selbsttötungsart? Resultiert das Erdrosseln aus einer Figurenpsychologie oder ist es der Dramaturgie geschuldet? Inwiefern passen sich das Zögern und die Selbsttötung in den dramatischen Spannungsaufbau ein?
Generell lässt sich also fragen: Welche Rolle spielt die Art des Ablebens für den dramatischen Konflikt und den Spannungsaufbau? Im Vortrag werden sowohl inhaltliche als auch dramenpoetische Aspekte eine Rolle spielen. Grundsätzlich wird den Funktionspotentialen des Sterben-Lassens am Beispiel ausgewählter Dramen Schillers nachgegangen. Denn gerade an dem dramatischen Ableben einer fiktiven Figur lassen sich Bezüge zu dramaturgischen und dramenpoetischen Aspekten verdeutlichen.