Laokoons Schlange



Die nächste Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft Oldenburg findet am 17. September um 19:30 Uhr in der Landesbibliothek Oldenburg statt. Prof. Dr. Jörg Wesche von der Universität Dusiburg-Essen spricht über 'Laokoons Schlange'.
Die Laokoon-Gruppe gilt bis ins 18. Jahrhundert als ästhetisches Ideal. Was sich überhaupt über Kunst sagen lässt - so eine verbreitete Vorstellung -, muss sich an ihr messen lassen können. Den Mittelpunkt in der Bildkomposition der Skulptur bildet nun ein Schlangenhaupt. Die eigentümliche Zentrierung des Tiers ist in der bis heute außerordentlich rege geführten kunsttheoretischen Diskussion allerdings bemerkenswert wenig reflektiert worden. So bildet die Schlange gleichsam den blinden
Fleck der Gruppe. Der Vortrag zielt auf die Rekonstruktion ihrer kulturhistorischen und semiotischen Bedeutung. Neben Vergil, Lessing und Goethe kommen dabei einige Aufwertungstendenzen seit der Romantik (etwa bei Heine) zur Sprache. Die anhand der Gruppe immer wieder verhandelte
Frage nach den medialen Eigenheiten von Kunst und Literatur stellt sich damit aus dezidiert tiergeschichtlicher Sicht. Welche Rolle spielt Kreatürlichkeit für die Wirkungsgeschichte des Laokoon-Mythos, und wie stellt sich der in der Theoriedebatte zentrale Zusammenhang von Affekt, Illusion und Vorstellung im Hinblick auf die sprach- und bildkünstlerische Unverfügbarkeit einer Tierperspektive dar?