Stammbücher der Goethezeit

Donnerstag, 14. April 2016, um 19.00 Uhr im Bibliothekssaal, Universitätsbibliothek, Uhlhornsweg 49-55, 26129 Oldenburg, Erdgeschoss 

Autograph Goethes (Abb. privat)
Dr. Tünde Katona (Szeged): Stammbücher der Goethezeit

Stammbücher sind wichtige biographische Zeugnisse wie auch Dokumente für Kulturtransfers und Intertextualität. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts kommt es zu einem Paradigmenwechsel. Das „Album amicorum“, in dem man seit Jahrhunderten Autographen sammelte, die sich inhaltlich wie formal an einem kanonisierten Muster orientierten und in ihrer Chiffrenhaftigkeit verhältnismäßig wenig Individualität ermöglichten, stand als „Literaturpraxis” im Widerspruch zu dem expliziten Originalitätsanspruch in der Dichtung der Goethezeit. Das Szegeder Projekt „Inscriptiones Alborum Amicorum” bearbeitet Hungarica-Einträge aus der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Den Ausgangspunkt für die gezielte Erschließung aller dieser Quellen bildet eine der wichtigsten Stammbuchsammlungen Europas, die sich in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar befindet und von Johann Wolfgang von Goethe begründet worden war. An ausgewählten Beispielen werden das Stammbuch als Gattung und der einzelne Eintrag in seiner Historizität und Medialität vorgestellt.

Frau Dr. Tünde Katona lehrt am Institut für Germanistik der Universität Szeged. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Literatur und Kultur der Deutschen im Ungarn der Frühen Neuzeit (Dokumente des städtischen Lebens, Stammbücher, Leichenpredigten und Reisebeschreibungen).