Paranoisches Weltverhältnis und Literatur

Dienstag, 3. Mai 2016, 19:30 Uhr, im Literatursalon der Buchhandlung Thye, Schloßplatz 21/22

Daniel Paul Schreber (1842-1911)
(Quelle: Wikipedia)
Dr. Sandra Janßen (Oldenburg): Paranoisches Weltverhältnis und Literatur

Das Weltbild des Paranoikers beunruhigt und fasziniert, da es in ebenso offensichtlicher Weise irrsinnig ist, wie es Strukturen aufweist, die uns nur allzu vertraut sind. Zwei Gründe lassen sich für diese unheimliche Vertrautheit anführen. Zum einen lässt der „Deutungswahn“, den man dem Paranoiker attestiert, die jedermann betreffende Notwendigkeit, Wirklichkeit interpretierend zu konstruieren, durch ihr sichtbar verzerrtes Spiegelbild kenntlich werden; zum anderen sind es, wie Elias Canetti am Beispiel Daniel Paul Schrebers zeigt, essentielle Fragen nach Macht und Politik, die den Paranoiker umtreiben. Wie Deuten und Herrschen im paranoischen Weltverhältnis ineinandergreifen, wird der Vortrag anhand von Schrebers Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken (1903) nachzeichnen, um anschließend zu zeigen, wie unterschiedliche literarische Texte sich den paranoischen Zerrspiegel erzählerisch aneignen.

Dr. Sandra Janßen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg „Selbst-Bildungen“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg